Dies ist nur ein kleiner Auszug aus einem Vortrag von Günter Sölken während der Film- und Medientage Havelland am 31.10.2009. Ich kann nur jedem empfehlen, sich den Vortrag, auf der Webseite des Netzwerk Grundeinkommen komplett durchzulesen.

[...]Es gibt weitere Bedenken, aber ich glaube, das sind die wichtigsten. Über Menschenbilder kann man gut streiten, stunden- und tagelang. So kenne ich etliche Leute, die den Sozialismus für eine grundsätzlich gute Idee halten aber gleichzeitig glauben, dass er nicht realisierbar sei, weil da die egoistische Natur des Menschen im Wege stehe. Da wir die Natur des Menschen nicht unter die Mikroskope der Naturwissenschaften legen können, wird die Sache schwierig – beim Grundeinkommen wie beim Sozialismus und anderen Alternativentwürfen. Aber das ist gar nicht das Problem. Ich behaupte, wir, die Grundeinkommensbewegung, haben uns die Suppe unzureichender gesellschaftlicher Akzeptanz selbst eingebrockt.

Zum Beispiel durch die Betonung eines angeblichen Rechts auf Faulheit. Hallo, da müssen sich doch bei allen Trägern unserer Leistungsgesellschaft die Haare senkrecht stellen. Wo jemals in der Geschichte hat es – außer beim Geld- und Titeladel – jemals ein Recht auf Faulheit gegeben? In allen Generationen vor uns haben 95 % der Bevölkerung 6 Tage die Woche hart arbeiten müssen, nur um überleben zu können. Es ist m.E. zu billig, die Skepsis gegenüber dem gegenleistungslosen Grundeinkommen ausschließlich dem Arbeitsfetischismus der Linken oder der protestantischen Arbeitsethos „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ anzulasten. Ein weiterer Grund für die Bedenken gegenüber dem BGE dürfte darin liegen, dass die Bewegung durch die Betonung der Selbstverständlichkeit des Nehmens (und die Vernachlässigung der Notwendigkeit des Gebens) einfach nicht das Vertrauen ausstrahlt, dass die Fülle der Gegenwarts- und Zukunftsfragen in der Grundeinkommensgesellschaft überhaupt gelöst werden können. Wer nur die Hand aufhält, um zu empfangen, wird kaum die Vorstellung tatkräftigen Handelns ausstrahlen.

Gegensätze: Heute sind wir aufgrund des technologischen Fortschritts, auch der globalen Arbeitsteilung im Prinzip in der Lage, jeden Menschen satt zu machen und mit einem menschenwürdigen Lebensstandard auszustatten, weltweit wohlgemerkt. Das ist wirklich so und das ist das, was uns heute so grundsätzlich von allen vorhergehenden Generationen unterscheidet.[...]

Unter dem Vortrag ist noch folgender, vergleichsweise kurzer Text von Robert Bleilebens, den ich hier gleich komplett abbilde, namens

Grundeinkommen ohne Zwang und Druck

Ist es erforderlich, den mit der Einführung des Grundeinkommens wegfallenden Arbeitszwang zu ersetzen durch gesellschaftlichen Druck, um so die Bereitschaft zu erzeugen, etwas zurückzugeben? Brauchen wir zusammen mit dem BGE eine für alle geltende Verantwortungsethik? – Nein! Das ist nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich!

Überflüssig ist es, weil Menschen von sich aus motiviert sind, etwas zu tun. Und schädlich ist es, weil so die Entfaltung ihrer Eigenmotivation behindert wird.

Hinter dieser Einstellung steckt Kontrollzwang. Der Glaube, dass man alles kontrollieren müsse, damit die Dinge sich zum Guten entwickeln.

Doch das muss man nicht. Die Dinge entwickeln sich viel besser, wenn man ihnen freien Lauf lässt.

Hier sind wir bei zwei wichtigen Punkten angekommen, die die Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens begründen:

1.) Wenn man von Menschen eine bestimmte Leistung verlangt, weil dies ja dem Gemeinwohl diene, so tut man so, als könne man die gesamte Gesellschaft überblicken und erkennen, wie sich bestimmte Handlungen letztendlich auswirken. Doch das kann kein Mensch. Dazu müsste man ein Gott sein. Die Gesellschaft ist dazu viel zu komplex und wird immer komplexer. Daher ist es falsch, von Menschen eine bestimmte Leistung zu verlangen.

2.) Wer von anderen Menschen eine bestimmte Leistung verlangt, weil dies ja dem Gemeinwohl diene, setzt selber fest, was denn das Gemeinwohl sei. Er zwingt anderen seine eigenen Maßstäbe auf und erhebt sich so über andere Menschen. Das ist unvereinbar mit der Gleichheit der Menschen untereinander.

So gibt es zwei gute Gründe dafür, keinen Zwang und keinen moralischen Druck auszuüben und den Menschen die Entscheidung über ihre Tätigkeiten ganz allein zu überlassen.

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